Gerda Boyesen – wie der Körper in der Therapie eine Stimme bekam

Ruhige Wasserlandschaft mit Pfählen im stillen Wasser

In meinen Massagen erlebe ich immer wieder, dass Frauen zunächst zögern.
Nicht wegen der Berührung an sich, sondern wegen der Frage:

„Ist das hier esoterisch?“

Genau an diesem Punkt erzähle ich oft von Gerda Boyesen.
Und fast immer verändert sich dann etwas, die Haltung wird weicher, das Vertrauen größer.

Das ist der Grund, warum ich ihr diesen Beitrag widmen möchte.

Eine Psychologin, die den Körper ernst nahm

Gerda Boyesen war Psychologin und arbeitete zunächst gesprächsorientiert.
Im Laufe ihrer therapeutischen Tätigkeit erkannte sie jedoch, dass emotionale Prozesse nicht nur gedacht oder ausgesprochen werden, sondern im Körper stattfinden.

Spannungen, die sich nicht in Worte fassen lassen, zeigen sich im Gewebe, in der Atmung, im vegetativen Nervensystem.

Boyesen begann, Berührung als unterstützendes Element in die Therapie zu integrieren: ruhig, respektvoll und klar begrenzt.

Die Zusammenarbeit mit der Physiotherapie

Ein wichtiger Impuls entstand durch die Zusammenarbeit mit der norwegischen Physiotherapeutin Aadel Bülow-Hansen.

Bülow-Hansen hatte beobachtet, dass sich emotionale Belastungen im Muskel- und Bindegewebe widerspiegeln und dass sich über gezielte manuelle Arbeit nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Spannungen lösen können.

Diese Verbindung von Psychologie und Physiotherapie war wegweisend und hat den Blick auf therapeutische Körperarbeit nachhaltig verändert.

Eine stille Beobachtung mit großer Wirkung

Eine bekannte Episode aus Boyesens Leben beschreibt gut, wie sie gearbeitet hat:

Beim morgendlichen Kaffeetrinken und Zeitunglesen bemerkte sie, dass ihr Darm zu rumoren begann, während sie sich gedankenverloren den Kopf kraulte.

Diese Beobachtung war für sie kein Zufall.
Sie erkannte darin ein Zeichen vegetativer Entspannung, ein Moment, in dem der Körper von selbst in Regulation geht.

Das Darmgeräusch als Leitsignal

Aus dieser Beobachtung entwickelte sich ein zentrales Element der biodynamischen Psychotherapie:
das sogenannte vegetative Strömen.

Boyesen stellte fest, dass sich bei der Lösung emotionaler Spannungen häufig die Darmtätigkeit hörbar aktiviert.
Um dieses Signal wahrnehmbar zu machen, entwickelte sie ein spezielles Mikrofon mit Lautsprecher, mit dem diese Geräusche während der Behandlung hörbar wurden.

Nicht als Kontrolle, sondern als Hinweis, dass der Körper loslässt.
Ein leises, aber sehr klares Zeichen von Regulation.

Berührung als Einladung, nicht als Technik

Wichtig ist:
Bei Gerda Boyesen ging es nie um Manipulation oder „Machen“.

Berührung war für sie

  • eine Einladung an den Körper
  • ein Angebot von Sicherheit
  • ein Raum für Selbstregulation

 

Keine Esoterik.
Keine Überhöhung.
Sondern ein physiologischer Prozess, getragen von Präsenz und Respekt.

Die Verbindung zur GEM – fachlich eingeordnet

Die ganzheitlich energetische Massage (GEM), mit der ich arbeite, bezieht sich direkt auf die körperorientierte Psychotherapie nach Gerda Boyesen.

Der Ansatz wurde von einem Schüler Boyesens weiterentwickelt und im deutschsprachigen Raum in verschiedenen Linien weitergegeben. Dabei wurden die biodynamischen Prinzipien mit eigenen Erfahrungen ergänzt unter anderem durch Einflüsse aus Indien.

Ich selbst habe die GEM sowohl im süddeutschen Zweig als auch in weiterer Ausprägung kennengelernt.
Unabhängig von der jeweiligen Schule bleibt der Kern gleich:

Der Körper wird nicht manipuliert, sondern begleitet.
Berührung dient nicht dem „Machen“, sondern der Selbstregulation.

Die GEM ist damit keine moderne Energieform ohne Wurzeln, sondern steht in einer klaren therapeutischen Tradition, die auf Gerda Boyesens Arbeit aufbaut.

Die GEM ist eine Form der körperorientierten Begleitung und keine Gesprächstherapie.

Ein Ansatz, der heute aktueller ist denn je

In einer Zeit, in der viele Frauen unter Daueranspannung, innerer Unruhe und Erschöpfung leiden, wirkt Boyesens Arbeit erstaunlich modern.

Sie hat früh verstanden:
Der Körper vergisst nichts, aber er kann lernen, wieder in Balance zu kommen.

Nicht über Druck.
Sondern über Wahrnehmung, Zeit und Berührung.

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem Gespräch.
Sondern mit einem leisen Rumoren im Bauch.

Gerda Boyesen ist bereits vor vielen Jahren verstorben.
Doch ihre Arbeit wirkt bis heute weiter, vielleicht gerade deshalb, weil sie ihrer Zeit weit voraus war.
Ihr Verständnis von Körper, Nervensystem und Selbstregulation erscheint heute visionär und erstaunlich modern.

Wie diese Arbeit bei mir gebucht werden kann

Die ganzheitlich energetische Massage (GEM) kann auf unterschiedliche Weise genutzt werden.

Sie eignet sich
– als tiefe Entspannungsmassage, um aus dem Kopf wieder mehr in den Körper zu kommen,
– genauso aber auch im therapeutischen Kontext, zum Beispiel bei anhaltender innerer Anspannung, Erschöpfung, stressbedingten Beschwerden oder dem Gefühl, „nicht mehr richtig bei sich zu sein“.

Die Behandlung erfolgt in ruhiger Atmosphäre, mit klarer Abgrenzung und ohne Gesprächspflicht.
Manchmal entsteht Austausch, manchmal Stille – beides ist willkommen.

Wenn Sie unsicher sind, ob diese Form der Körperarbeit für Sie passt, biete ich vorab ein kurzes telefonisches Gespräch an.
Nicht zur Analyse, sondern um gemeinsam zu schauen, ob mein Angebot für Sie stimmig ist.

Die Buchung der Massage erfolgt direkt über mein Online-Buchungssystem.
Alle aktuellen Termine und Informationen finden Sie auf meiner Website.

Manchmal braucht es keine Worte.
Sondern einen sicheren Raum, in dem der Körper wieder anfangen darf, loszulassen.

de_DEGerman